Die Gartenanlagen

Prälatengarten, Detailaufnahme
Ab dem Jahr 1714 wurde das Stiftsgebäude von Jakob Prandtauer neu errichtet. Unmittelbar dazu geplant wurden auch die Gärten, die je nach ihrer Bestimmung ebenso funktionell wie repräsentativ zu sein hatten. Als der Stiftsbau einigermaßen gediehen war, gingen auch die Arbeiten an den Gärten rasch voran. Neben den der Eigenversorgung dienenden Anlagen wie Kräuter- oder Obstgarten, wurde, der klösterlichen Hierarchie entsprechend, ein Garten für den Prälaten, einer für den Dechant, den Stellvertreter des Prälaten, sowie ein Garten für die Mitbrüder, der Kapitelgarten, gestaltet.
Mit der Gartenkunst ist ein vielschichtiges theologisches Konzept untrennbar verbunden: Die prächtigste Gartenanlage, der Prälatengarten, liegt nicht zufällig vor der Ostfassade des Stiftes. Denn der Osten ist jene Himmelsrichtung, aus der wir symbolisch die Wiederkunft Christi erwarten, der das Licht, die unbesiegbare Sonne selbst ist. Jeden Morgen erwacht beim Sonnenaufgang die Erinnerung daran. So bildet unser Garten an der Ostfassade ein beeindruckendes Glaubensbekenntnis der Erwartung unseres Herrn Jesus Christus.

Prälatengarten, Springbrunnen
Wer sich durch einen Garten hindurch dem Stiftsgebäude nähert - und anders ist es in Herzogenburg gar nicht möglich, geht mit seinen eigenen Füßen den Weg der Bibel, den Weg Gottes mit den Menschen: Er beginnt im Garten des Paradieses (im ersten Buch der Bibel) und endet in der himmlischen Stadt Jerusalem (im letzten Buch der Bibel). Diesen Weg vom Garten zur Stadt, von der Natur zur Kultur, von der Schöpfung in die Vollendung, geht Gott mit uns. Und dieser Weg führt uns zu Gott. So ist es wohl nicht verwunderlich und mutet kaum als Luxus an, dass für den Gesamteindruck des Klosters die Wiedererrichtung der Gärten eine Notwendigkeit war. Diese wurde in unserem Haus ab dem Jahr 2002 in Angriff genommen.
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