Bildersaal

Dem Auge des heutigen Betrachters ist der Bildersaal schon beim Eintreten ungewohnt: Das Ideal einer barocken Galerie lag darin, einen Raum mit Bildern quasi „auszutapezieren“. Um eine gewisse Symmetrie in der Gestaltung der einzelnen Wände zu erreichen, wurden Bilder zurechtgeschnitten, zerteilt oder auch ergänzt. Nicht dem Einzelkunstwerk kommt bei dieser Galerie ein besonderer Wert zu, sondern der Gesamtheit des Eindruckes. Unter den 144 Gemälden können einige als besonders kostbar hervorgehoben werden: Ein auf Holz gemaltes deutsches Männerportrait mit der Signatur „H. H. 1521“, wird als Werk von Hans Holbein dem Jüngeren bezeichnet. Unter den Werken österreichischer Barockmaler sind vor allem ein Marienbild von Paul Troger und eine Ölbergszene hervorzuheben, die Franz Anton Maulbertsch zugeordnet wird. Eine gute Arbeit ist auch das Selbstportrait von Johann Michael Rottmayr. Viele der Bilder sind Kopien bzw. Nachempfindungen von Werken, deren Originale sich z.B. in den kaiserlichen Sammlungen befanden. Das schmälert ihren Wert für diesen Raum keineswegs: Der heutige Museumsbesucher kauft sich Ansichtskarten oder Poster von Werken, die ihm gut gefallen haben. In der Barockzeit musste man sie nachmalen lassen, um sich das Kunstwerk nach Hause holen zu können. In vielen Schlössern und Stiften wurden in der Barockzeit vergleichbare Bildersäle eingerichtet, doch schon im 19. Jh. trafen sie nicht mehr den Geschmack der Zeit und wurden oftmals aufgelöst, so dass man wirklich von einem Glücksfall sprechen muss, dass der Herzogenburger Bildersaal zur Gänze erhalten blieb. |